Die Zeitenwende – Ist Private Equity gerüstet für die neuen Herausforderungen?

Die russische Invasion der Ukraine ist eine massive humanitäre Katastrophe. Nicht einmal 24 Monaten nach dem Schock über den Ausbruch der Covid-Pandemie mit ihren weltweiten „Verwerfungen“ sind schon wieder Jahrzehnte-alte Gewissheiten ins Wanken geraten.

Wie sich die Situation in der Ukraine entwickelt und ob die Pandemie endlich am „Abklingen“ ist, kann unmöglich vorhergesagt werden. Klar ist aber, dass wir nach einer langen Phase der relativen politischen Stabilität und des stetigen Wachstums möglicherweise vor einer Zeitenwende stehen.


Wir müssen uns auf Veränderung einstellen

Ohne ein großer Prophet zu sein, wagen wir die folgenden Prognosen:

  1. Die weltumspannende Globalisierung und „Kooperation“ ist auf dem Rückzug – Blöcke formieren sich wieder klarer zwischen der demokratischen und autokratischen „Hemisphäre“ und viele Staaten streben zumindest die teilweise „Renationalisierung“ ihres Wirtschaftslebens an.
  2. Die Inflation ist zurück und mit ihr auch positive Zinsen – diese werden, langsamer oder schneller, wieder steigen.
  3. Der Klimawandel bleibt langfristig die „größte Herausforderung“ – die Bekämpfung erfordert gigantische Anstrengungen und wird politisch und wirtschaftlich wieder in den Vordergrund rücken.

Die kurzfristigen Auswirkungen auf unsere Fonds sind überschaubar

Auf Sicht bleibt der direkte Einfluss von Ukraine-Krieg und Covid-Folgen für die Private Equity-Zielfonds der Circle Eleven begrenzt:

  • Mögliche „Einschnitte“ aufgrund der Pandemie wurden von den Fondsmanagern und Portfoliounternehmen bereits im Jahr 2020 „verarbeitet“.
  • Die Zielfonds halten keine Portfoliounternehmen in Russland oder in der Ukraine.
  • Einige der großen, weltweit agierenden Portfoliounternehmen haben vereinzelt Dependancen in Kiew, Moskau oder St. Petersburg. Diese tragen aber in keinem Fall substanziell zu Umsatz oder Wertschöpfung im jeweiligen Unternehmen bei.

Indirekt leiden einzelne Beteiligungen unter einer Störung ihrer Lieferketten und unter unkalkulierbar steigenden Rohstoffpreisen. In keinem Fall sind diese Auswirkungen aber existenzbedrohend. Allerdings konsumieren solche „Fälle“ immer viel Aufmerksamkeit von Fondsmanagern und Unternehmens-Management und lenken vom Kerngeschäft und von eigentlich geplanten Projekten ab.

Durch die hohe Unsicherheit an den Kapitalmärkten hat sich das „Deal-Making“ verlangsamt, d.h. wir sehen aktuell weniger Neuinvestitionen und Exits als im vergangenen Jahr. Allerdings handelt es sich hier – nach dem „aufgeheizten Markt“ in 2020/2021 – eher um eine Rückkehr zur langjährigen „Normalität“. Strategische Investoren und Fondsmanager halten nach wie vor viel Liquidität bzw. „Dry Powder“ und arbeiten aktiv an neuen Deals.

Langfristig zählt wieder Qualität

Das vergangene Jahrzehnt war eine „goldene Periode“ für die Private Equity-Anlageklasse. Insbesondere die Jahre 2020/2021 haben zu neuen Rekorden bei Fundraising, Investitionen, Exits und Renditen geführt.

Wesentliche Treiber waren die niedrigen Zinsen und deshalb stetig steigende Bewertungen. Mehr als die Hälfte der „Wertschöpfung“ der Private Equity-Fondsmanager in der Periode lässt sich durch die sog. „Multiple Expansion“ erklären, d.h. Unternehmen wurden zu höheren EBITDA-Multiples verkauft als eingekauft. Folge: auch „mittelmäßige“ Fondsmanager, die „einfach nur investiert“ waren, konnten in den vergangenen Jahren attraktive Renditen ausweisen.

Die “einfachen“ Jahre dürften nun erst mal vorbei sein:

  • Steigende Zinsen erwarten wir vor allem für die USA, aber abgeschwächt auch für den EUR-Raum. Diese bringen die Bewertungs-Multiples „unter Druck“.
  • Inflationsraten auch jenseits der 5% sind sowohl in der USA als auch in Europa schon jetzt Realität. Inflation erhöht die Umsätze von Unternehmen nur dann, wenn sie eine gewissen Preissetzungs-Macht haben, also steigende Kosten an ihre Kunden weiterreichen können.
  • Friktionen bei Lieferketten treffen vor allem die stark vernetzte europäische Industrie, aber auch Nordamerika ist stark abhängig von Zulieferungen und Vorprodukten. Das alles kostet „Marge“ und konsumiert wertvolle Management „Attention“.

Dagegen ergeben sich in der „neuen Welt“ aber auch Chancen:

  • Eine zumindest teilweise „Renationalisierung“ von Wertschöpfungsketten und Industrien führt zu hohem Investitionsbedarf und schafft neue Nischen und Geschäftsmodelle
  • Inflation ist grundsätzlich positiv für Realwerte wie Unternehmensbeteiligungen. Zusätzlich führt Inflation bei teilweise fremdfinanzierten Deals (also vor allem im Buyout-Segment) zu einer impliziten „Entwertung“ des Kredits. Hierzu verweisen wir gerne auf unseren Newsletter vom Juli 2021
  • Der Folgen des Klimawandels zeigen sich immer klarer – die Politik ist unter Handlungsdruck. Das bedeutet, dass viele Industrien sich fundamental hin zu einem nachhaltigeren „Wirtschaften“ wandeln müssen. Wer diesen Wandel mit Innovation und guter Kapitalisierung anpacken kann, gehört möglicherweise zu den Gewinnern von morgen.

Wir bleiben vor diesem Hintergrund für „Private Equity“ absolut positiv. Gerade in einer unsicheren und sich schnell wandelnden Welt, kann die Anlageklasse ihre Stärken voll ausspielen:

  • Der aktive Investitionsansatz hilft, mit den Portfoliounternehmen schnell und konsequent auf neue Herausforderungen reagieren zu können. Gerade im Buyout- und Special Situations-Bereich halten unsere Fondsmanager in der Regel Mehrheitsbeteiligungen und haben damit auch den unmittelbaren „Durchgriff“ auf alle Entscheidungen.
  • Die langfristige Orientierung bei Investition und Exit hilft, mögliche „Schwächephasen“ zu überbrücken. Bei etwaigen „Verwerfungen“ im Markt kann ein Portfoliounternehmen z.B. einfach etwas länger gehalten werden.
  • Die Private Equity-Fondsmanager bringen vor allem drei Dinge mit: Erfahrung, Talente und Ideen – gerade im rauen Fahrwasser die richtige Mischung.

Was bedeutet das alles für Private Equity-Investoren?

Zukünftig werden hohe Renditen bei Private Equity-Investments nicht mehr „fast wie von allein“ garantiert sein:

  1. In einem sich schnell wandelnden Umfeld kommt es nun wieder viel stärker auf die Fähigkeiten und die Qualität des Fondsmanagers an. Wir erwarten, dass sich hier in den kommenden Jahren die Spreu deutlich vom Weizen trennen wird.
  2. Um sich für eine möglicherweise „bipolarere“ Welt zu rüsten, empfiehlt sich die Konzentration auf Anlagen in Nordamerika und Europa, wo auch langfristig mit hoher Rechtssicherheit kalkuliert werden kann.
  3. Daneben bleibt eine möglichst breite Diversifikation absolutes Mittel der Wahl: die Streuung über mehrere Fonds, unterschiedliche Stile (wie Growth Capital, Buyout, Special Situations) und Branchen bringt Stabilität.

Wer diese Empfehlungen beherzigt, sollte auch in den kommenden Jahren mit seinen Private Equity-Investments auf der richtigen Seite stehen.