„Jetzt ist eine tolle Zeit zu investieren“ – Interview mit Axel Eichmeyer, Managing Partner von ECM

Axel Eichmeyer ist seit 1998 beim Frankfurter Buyout-Fondsmanager ECM Equity Capital Management tätig und führt dort als Managing Partner das 15-köpfige Team. ECM ist spezialisiert auf Buyout-Deals mit mittelständischen Unternehmen im deutschsprachigen Raum und investiert derzeit den fünften Fonds mit Kapitalzusagen von €325 Mio. Seit der Gründung 1995 haben sich die von ECM verwalteten Fonds an ca. 50 Unternehmen beteiligt.

Axel Eichmeyer im Gespräch mit Alexander Binz und Kevin Gruber

Herr Eichmeyer, man kann Sie mit Fug und Recht als Urgestein des Private Equity-Geschäfts in Deutschland bezeichnen. Was hat Sie vor fast 25 Jahren bewogen, von der Wirtschaftsprüfung kommend zu ECM zu wechseln?

Die unternehmerische Tätigkeit fand ich superspannend! Ich bin damals eher zufällig auf ECM gestoßen und habe unseren Gründer kennengelernt [Anmerkung: Chris Peisch hat ECM 1995 gegründet und ist heute noch aktiv tätig im ECM-Investment Committee]. Ich war sofort begeistert, was hier gemacht wird!

Wie sah das Mid-Market Buyout-Geschäft in der DACH-Region vor 25 Jahren aus?

Unser Gründer bezeichnet die Zeit damals immer als die Phase der „Deal Artists“, im Gegensatz zu den professionellen „Money Management Firms“ heute. Das war ein Markt, der sich noch nicht gefunden hatte – wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten, was Private Equity für Verkäufer, Management Teams und Mitarbeiter bedeutet.

Ist es heute nach 25 Jahren nicht immer noch so, dass Sie Überzeugungsarbeit leisten müssen?

Deutlich weniger als früher. Ich glaube, Private Equity hat mittlerweile eine wesentlich höhere Akzeptanz in Deutschland – sowohl bei Eigentümern, Verkäufern, als auch insbesondere bei Management Teams. Aber natürlich haben wir weiterhin die Gespräche, in denen wir erklären müssen, wie wir arbeiten, worin unser Mehrwert liegt und wer unsere Investoren sind. Womit Verkäufer sich immer wieder schwertun, ist die Frage, was nach fünf Jahren passiert, wenn ein Unternehmen weiterverkauft wird.

Wie können Sie diese Bedenken ausräumen? Es ist auch für Sie zum Zeitpunkt des Erwerbs zumindest eine teilweise offene Frage.

Das ist richtig. Früher ging es bei unseren Transaktionen oft um das Thema Unternehmensnachfolge. Eigentümer hatten keine Nachfolger in der Familie und mussten das „Erbe“ an einen Familienfremden verkaufen. Solche Situationen sehen wir jetzt nur noch selten. Heute geht es vorrangig um „Partnership Investments“: da sind Eigentümer, die meistens jünger sind, international ausgebildet und die das Unternehmen selbst aufgebaut oder maßgeblich geprägt haben. Diese Eigentümer suchen einen Partner an ihrer Seite, mit dem sie in fünf Jahren das erreichen können, wofür sie allein 15 Jahre brauchen würden. Wenn es dann nach einigen Jahren an den Weiterverkauf geht, haben sie die Option: sie können in ihrer „angestammten Rolle“ dabeibleiben oder das Unternehmen auch operativ in andere Hände weitergeben.

Wie sieht „die Arbeit“ von ECM bei den Portfoliounternehmen aus?

Wir definieren unsere Rolle als Gesellschafter aus dem Beirat heraus, aber wir sind dabei ein aktiv begleitender Investor! Wir sprechen jede Woche mit jedem Management Team, bringen unsere Erfahrung mit an den Tisch und unterstützen die Unternehmen. Wir fokussieren uns seit über 25 Jahren auf dasselbe Segment im deutschen Mittelstand und haben die wirtschaftlichen Veränderungen und Schwankungen während dieser Zeit erfolgreich gemeistert. Wir verstehen uns als „Sparrings Partner“ auf Augenhöhe mit dem Management Team.

Welche Themen treiben Sie dabei besonders voran?

Die typischen Themen sind: Internationalisierung, Zukäufe tätigen – ja/nein, Personal finden und binden, oftmals auch für eine Verstärkung auf Managementebene. Hier unterstützen wir aktiv. Wir fokussieren uns auf eine gute Governance – also ein transparentes Reporting sowie klare Kommunikations- und Entscheidungswege. Daneben setzen wir einen Beirat auf, dem externe Experten angehören, die viel zusätzliches Knowhow mit an den Tisch bringen. Diese Kombination hilft Unternehmern, ihre Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln.

Was sind ihre wesentlichen Lernpunkte aus den vergangenen 25 Jahren Transaktionserfahrung?

„Transparenz in den Zahlen“ ist das A und O: mit welchem Produkt, mit welcher Dienstleistung, mit welchem Kunden wird welcher Umsatz oder welche Marge erzielt? Erst wenn hier ein vollständiger Überblick besteht, können weitreichendere strategische Initiativen, wie beispielsweise Zukäufe, sinnvoll angegangen werden. Zu Beginn einer Beteiligung stehen viele Veränderungen an und man darf das Management Team nicht „überfrachten“. Daher ist „Fokus“ ein wesentlicher Punkt. Man kann an sehr vielen Stellen optimieren, aber wichtiger ist es, die drei großen Werttreiber zu identifizieren.

Vor welchen Herausforderungen stehen ihre Portfoliounternehmen aktuell?

Ganz allgemein gesprochen ist die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit „brutal“. Wir haben zwei Probleme: der Umsatz ist in vielen Unternehmen unter Druck, und die Kostenbasis steigt. Das ist eine Herausforderung für jedes Management Team. Und es macht die Planung viel schwieriger: wie viel investiere ich, wie viel stelle ich ein, auf welcher Kostenbasis kalkuliere ich? Und die zweite große Herausforderung überall ist Personal – die Gewinnung und Bindung von Fachkräften.

Sehen Sie in der derzeitigen Krise eher die Chancen oder die Risiken?

Es ist wichtig, nicht zu negativ zu werden in der Denke oder dem Herdentrieb zu folgen. Aus meiner persönlichen Erfahrung: solche Zeiten von Verwerfungen, die wir gerade eben durchleben, bieten auch Chancen und Opportunitäten. Ich weiß allerdings nicht, ob die schon im nächsten Monat kommen, oder ob das noch drei oder sechs Monate dauern wird.

Müssen wir uns trotzdem auf geringere Renditen in den kommenden zehn Jahren einstellen?

Das glaube ich nicht! Es ist klar, dass die Jahre 2019, 2020, 2021 außergewöhnliche Renditen erwirtschaftet haben. Ob sich das in dieser Form wiederholen lässt, weiß ich nicht. Aber langfristig zweistellige Renditen sind auf jeden Fall die Erwartungshaltung unserer Investoren. Und dafür stehen die Chancen ausgezeichnet. Gerade jetzt ist eine tolle Zeit zu investieren: die Bewertungen aus Käufersicht kommen etwas herunter, die Finanzierung ist moderater, die Businesspläne sind konservativer angesetzt, man hat wieder mehr Zeit, seine Analysen und die Due Diligence durchzuführen.

Was ist das Besondere an „Ihrem“ Segment, den Mid-Market Buyout-Deals?

Wir investieren in Unternehmen, die €2,5 Mio. bis €10 Mio. EBITDA machen. Wir sind typischerweise der erste institutionelle Investor in diesen Unternehmen. Da gibt es immer viel zu tun – das sind erfolgreiche Unternehmen mit guten Management Teams, aber nicht alles ist perfekt! Hier gibt es wirkliches Wertsteigerungspotential: Es geht nicht nur um Umsatzsteigerung, es geht darum, ein Unternehmen nachhaltig besser aufzustellen. Deshalb finde ich unser Segment besonders interessant – und weniger abhängig vom Finanzierungsmarkt [als Large Buyout-Deals], der ja gerade eben schwierig ist. Bei uns geht es darum, Unternehmen größer und besser zu machen, um dann ein wesentlich breiteres Spektrum von Käufern anzusprechen.

Herzlichen Dank für das spannende Gespräch!